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Kapitel 5 Die staatliche Nachfrage

Der Staat als wirtschaftlicher Akteur spielt in allen Marktwirtschaften eine wichtige Rolle. Insbesondere trägt der Staat durch seine Ausgaben für Güter und Dienstleistungen entscheidend zur Gesamtnachfrage bei. Darüber hinaus sind staatliche Investitionen in Infrastruktur, Technologieentwicklung, Wissenschaft und Bildung eine wichtige Determinante der hier nicht behandelten langfristigen Produktivitätsentwicklung. Abbildung 5.1 veranschaulicht die Bedeutung der staatlichen Nachfrage als Bestandteil der Gesamtnachfrage. Für die meisten der dargestellten Länder lag der Anteil des Staatskonsums am BIP im Zeitraum von 1950 bis 2017 zwischen 10 und 25 Prozent.

Abbildung 5.1: Der Anteil des Staatskonsums am BIP für ausgewählte Länder. Quelle: Penn World Table 9.1 (Feenstra, Inklaar und Timmer 2015). Hinweis: Durch klicken auf die Legende können Länder ausgeblendet werden. Ein Doppelklick wählt nur ein Land aus.

Im Rahmen der einfachen makroökonomischen Modelle, die wir in den nächsten Kapiteln entwickeln, werden wir Annehmen, dass die staatliche Endnachfrage eine exogene Größe ist. Die Ausgaben des Staates werden also durch die „Regierung“, bzw. das „Finanzministerium“ unserer Modellökonomie bestimmt. Für die Staatsausgaben für Waren und Dienstleistungen, \(G\), gilt also:

\[\begin{equation} G = \overline{G} \tag{5.1} \end{equation}\]

Hierbei nehmen wir an, dass der Staat die Staatsausgaben unabhängig von den Steuereinnahmen variieren kann, da er seine Ausgaben durch Kredite der Geschäftsbanken, oder gar der Zentralbank, finanzieren kann. Solange wir also keine weiteren Aussagen zu Steuereinnahmen machen, gehen wir davon aus, dass wir es mit Kredit finanzierten Staatsausgaben zu tun haben. \(G\) ist in dem Fall gleichbedeutend mit dem Haushaltsdefizit des Staates.

Literatur

Feenstra, R. C., R. Inklaar und M. P. Timmer. 2015. The next generation of the Penn World Table. American Economic Review 105, Nr. 10: 3150–82.